Tagebucheintrag
(aus: Von Hunden und Menschen, S.202)

Wer sich – als Mensch – um ein anderes Lebewesen kümmert, erfährt eine unerwartete Veränderung. Anfangs ist es vielleicht ein euphorisches Gefühl, das die Beziehung anbahnt, wie Sich-verlieben oder ein tiefes Mitgefühl. Es wird zu Verbundenheit und Nicht-voneinander-lassen können. Und dann – vielleicht braucht es die Gewissheit des Todes, bald, oder irgendwann, aber unausweichlich – wird es der gemeinsame Atem im kalten Hauch des Winters, im gläsernen Licht des Februars, im sprunghaften Sonnenregen von April und Mai und den nachtlosen Tagen im Juni und heißen Nächten im Juli und August, über die milden Spätsommerabende im September-Oktober bis zu den angstvollen verlorenen Lichtern im Novembernebel. Dann trösten wir einander. Und im Dezember, im Januar und bestimmt im März wissen wir, es kann nirgends ein Paradies sein, in dem der Mensch allein ist, ohne die anderen, die Wesen, denen er begegnet ist, und die, von denen er geträumt hat, und die, von denen er noch nicht weiß.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen